Das Ende der Festung

Seite des Historischen Vereins Rastatt

Durch kaiserliche Kabinettsordre am 4. März 1890 und durch Beschluss der Landesverteidigungskommission wurde die Festung aufgegeben und unverzüglich mit den Abbrucharbeiten begonnen.

festungsplan1890_klein_web

Grundeigentumsplan der Festung Rastatt 1890
 

Alles was auf dem Plan dunkelgrün hinterlegt ist, wurde von der Stadt innerhalb eines Jahres aufgekauft,  der Rest blieb im Besitz des Reichs-Militär-Fiskus.

Auszug aus dem Kaufvertrag vom 13 Februar 1892

Ausszug  aus demKaufvertrag                                                                                                                                                   Auszug aus dem Kaufvertrag

                     Kauf - Vertrag.
Nachdem durch allerhöchste Cabinets Ordre vom 4. März 1890 befohlen, daß die Festung Rastatt gänzlich aufzuheben sei, wurde heute zwischen dem Reichs = Militär = Fiskus vertreten durch die Königliche Fortifikation Rastatt und dem Gemeinderath der Stadt Rastatt der nachstehende Vertrag vorbehaltlich der Bestätigung durch die vorgesetzten Behörden, freihändig abgeschlossen und dreifach ausgefertigt.
                                § 1.
Es wird zu unwiderruflich vollkommen soviel bekannt freien Eigenthum verkauft :
A. Das freiwerdende Grundeigentum im Zuge der Hauptumwallung, wie in beiliegendem Plane bezeichnet, mit allen darauf befindlichen Bauten, soweit sie nicht bereits vor Abschluß des Vertrages an Private verkauft sind, ferner Pflanzungen, Wasserläufe, Wegen und sonstige Anlagen in dem jetzigen Zustande und zwar :
1. Oberer Anschluß  (: von der Murg bis zum Niederbühler-Thor :)
begrenzt durch die Steine Nr. 1 bis 9, 238 bis 247, 247 a,b, 252 bis 254.
Ausgenommen und nicht verkauft wird :
a. Die Fläche der Bastion 29 begrenzt durch die

1891 Einladung an die verehrlichen Mitglieder des Gemeinderathes

Einladung_web

 Grundeigentumsplan, Einladung und Kaufvertrag: Quelle  Stadtarchiv Rastatt:
Transkription P. Hauns

Und schon gibt es auch den ersten Reiseführer von Rastatt

, “Woerls’s Reisehandbuch – Baden in Wort und Bild – Zur Reise und zum Studium“, aus dem Jahr 1891. Auf über 500 Seiten gibt es dabei einen Zug durch das damalige badische Großherzogtum, wobei zu Rastatt eine ganz besondere Dokumentation enthalten ist. Vor allem ist es die außergewöhnliche Stadtkarte in Rot und Schwarz.

Stadtführer_rastatt

Es ist Leo Woerl, dem unermüdlichen Freiburger Hofbuchhändler hoch anzurechnen, dass er sich in seinem dicken Stadtführer gerade Rastatt besonders angenommen hat. Seine über 600 Reiseführer konnten nur Schwerpunkte für den boomenden Lokaltourismus um 1900 setzen. Was den Reiseführer von 1891 betrifft, so werden Rastatt nur acht Seiten gewidmet, doch die haben es aus heutiger Perspektive in sich.
Zunächst ist es die Beschreibung der Stadt nach der Entfestigung, wozu eine lithographierte Seite mit den Ansichten des Schlosses, des Rathauses, der Einsiedelner Kapelle und des Marktplatzes offeriert werden. Eingegangen wird auf Rastatter Militäreinheiten, wobei bei
11 570 Einwohnern, sich allein 4100 Soldaten in der Garnison befunden haben. Nostalgie sind bereits 1891 bei Woerl die beiden Stauschleusenbrücken, die zur „Indunation der Festungsgräben und des Vorterrains“ gedient haben. In den Beschreibungen des „Woerl’s“ zur Stadtgeschichte Rastatts, kommen die Revolutionäre von 1849 in der 1891er Perspektive in einer Adelsgesellschaft wenig gut weg: „ … man gab sich vollständiger Zügellosigkeit hin und nötigte den Kriegsminister, General Hofmann“, heißt es da.
Der „Woerl“ widmet sich Rastatter Gasthöfen, Restaurationen und Bierhallen, sowie den Hauptsehenswürdigkeiten im nahen zeitlichen Abstand. So wird das Sterbezimmer von Großherzog Karl im Südflügel des Schlosses vom 8. Dezember 1818, kurz nach der Verkündigung der badischen Verfassung in Rastatt, deutlich bestätigt. Doch, was den Woerl so interessant macht, ist der erwähnte kolorierte Stadtplan von der Stunde Null der Festungsstadt an der Murg um 1890.
Hier werden im Stadtplan mit Legende Offizierskasinos, die jüdische Synagoge, eine Frauenarbeitsschule, eine Kleinkinderbewahranstalt, Dienstboten-Erziehungs-haus und ein „Weibliches Armenhaus“ ausgewiesen. Gleich zwei Gefängnisse hatte Rastatt, dazu ein Isolier- und Garnisonslazarett, nicht zu vergessen die „Militär-Dampf-Wasch-Anstalt“.
Doch die Stadtkarte des Woerl’s von 1891 hat auch Novitäten verewigt. So die Anlage von Straßen in der Ludwigvorstadt, dem Dörfel, mit einem projektierten neuen Marktplatz. Auch im Bereich des Rheintors weisen gestrichelte Linien auf die Planungen nach der Aufhebung der Festung hin. Dieses sind vorweggenommene, recherchierte  Informationen eines genialen Reiseführer-Verlegers, der die besondere Zeitaufnahme zu Baden und Rastatt aktuell vor fast 120 Jahren liefern konnte.

Text und Bild R.Wollenschneider


Die Festung wird abgerissen

1

Abriss Friedrichsfeste

Hilberthof.

Hilberthof

wird fortgesetzt

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